„Bildung bezeichnet als Prozess die in der Gesamtheit der Lebenstätigkeiten geführte [Befähigen zur Selbstbefähigung] oder selbständige Aneignung von Kompetenzen, die das Individuum zu seiner Selbstentfaltung einsetzt, wobei Bildsamkeit, Bildungsbedürftigkeit und Bildungswilligkeit des Individuums vorausgesetzt werden. Als Resultat dieses Prozesses bezeichnet Bildung die individuelle Gesamtheit der in den Lebenstätigkeiten angeeigneten Kompetenzen.“ (Kirchhöfer, Lernkultur Kompetenzentwicklung, 2004) Bildung ist also sowohl der Vorgang des Hervorbringens wie auch das Ergebnis des Hervorgebrachten. (Koselleck, in:Was ist Bildung, 2012)
Bildung ist ein relationaler und kommunikativer Prozess, der zum einen Verhältnisse zwischen Subjekten, zum anderen zwischen Subjekten und gesellschaftlichen Institutionen fokussiert. In diesem Bildungsprozess lernen Individuen, ihre Bedürfnisse, Interesse und Fähigkeiten in einer reflektierten Bewegung der ständigen Perspektivübernahme (Teilnehmer, Akteur, Beobachter), zum Gegenstand des Austausches zu machen und sich so durch die Augen des/der Anderen als anerkannt wahrzunehmen (Verschränkung von Inhalts- und Beziehungsebene). (Honneth, Verdinglichung: Eine anerkennunstheoretische Studie, 2005 und 2018; Reich, Inhalte oder Beziehungen- Überlegungen zu einer inhaltsdominanten deutschen Schulkultur, 2020)
Bildungsprozesse sind auf gegenseitiges Verstehen angewiesen. Somit können digitale Tools nicht als Ersatz von, jedoch als Ergänzung zu kommunikativen Bildungssituationen verstanden werden. (Baum, Diefenbach, 2018)
Damit ist Bildung komplementär zu Erziehung aber analytisch von Erziehung getrennt, denn Bildung setzt Erziehung voraus. Aber „der verantwortliche Akteur im Bildungsgeschehen ist der für sich und seine angestrebte Bildung zuständige und verantwortliche Sich-Bildende, nicht mehr – wie in der Erziehung – der Pädagoge.“ (Löwisch, 2000)