Unter Lernvoraussetzungen sind die Kompetenz(en) sowie die damit zusammenhängenden Qualifikationen, die die Lernenden bereits in Bezug auf die hier relevante Lernherausforderung und Lernhandlung erworben haben, zu verstehen. Mögliche Aspekte der für die Unterrichtsstunde relevanten Lernvoraussetzungen können z.B. kognitive, emotional-soziale, körperliche, gesundheitliche und motorische, sprachlich-kulturelle, motivationale oder Lernstrategien betreffende Lernvoraussetzungen sein.
Generell sind unter Lernvoraussetzungen diejenigen Faktoren zu verstehen, die das Lernen in der Unterrichtsstunde voraussichtlich beeinflussen.
Dies umfasst sowohl allgemeine als auch fachspezifische Aspekte. Die Entscheidung, mit welchen Lehr- und Lernmethoden später im Unterricht gearbeitet werden soll, hängt in erster Linie von den Lernvoraussetzungen der Lernenden ab.
Zur Ermittlung der Lernvoraussetzungen eignen sich folgende Fragen:
Wie ist die Motivationslage und Arbeitsbereitschaft der Lerngruppe?
Arbeiten die Lernenden lieber allein, in Gruppen oder in Dyaden?
Wie ist der fachliche Lernstand? Hat die Lerngruppe Vorwissen zu einem Thema?
Sind die geplanten Lernmethoden bereits bekannt oder muss Extrazeit dafür eingeplant werden?
Gibt es Lernende mit Förderbedarf?
Welche inhaltliche Differenzierung ist erforderlich?
Bei allgemeinen Lernvoraussetzungen bzw. Voraussetzungen zur Bewältigung von Schulanforderungen unterscheidet man zwischen zentralen Funktionen der kognitiven Leistungsfähigkeit und kognitive Hilfs- oder Stützfunktionen des Lernens, sowie emotionale, soziale und körperliche Faktoren. Kognitive Voraussetzungen Zentrale Intelligenzfunktionen Kapazität der Informationsverarbeitung (Arbeitsspeicher) Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung Reaktionsbereitschaft (Temperament) Begabung (Talent) Kognitive Hilfsfunktionen – Aufmerksamkeitssteuerung (Fokussierungsfähigkeit) – Handlungsplanung, Wahrnehmungsorganisation (gedankliche Ordnungs- u. Strukturierungsgewohnheiten) – Ausdauer (Denkkondition) – motorische/sprachliche Vorerfahrungen Körperlich bzw. funktionelle Reife: Körperliche Verfassung, Automatisierung schulrelevanter Teilleistungen der Wahrnehmung und der motorischen Umsetzung (psychomotorische Reife, Wahrnehmungsdifferenzierung, Feinmotorik Emotionale Reife: Umgang mit hemmenden Emotionen, d. h., wieviel Bedürfnisspannung, wieviel Frustrationstoleranz bezüglich Sicherheit, Zuwendung, Anerkennung braucht das Kind Soziale Kompetenz: Fähigkeit, Bedürfnisse „sozialverträglich“ auszudrücken und durchzusetzen (Anpassungs- und Kompromissfähigkeit), Lernfähigkeit unter Gruppenbedingungen wie geteilte Aufmerksamkeit, Konkurrenz und Kooperationserfordernisse (Stangl, 2022).
Verwendete Literatur
Stangl, W. (2022, 23. November). Lernvoraussetzungen – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.